Forscherwerkstatt

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Geschrieben von: Rossa, Sascha   

Die Forscherwerkstatt

Inhalt

1. Konzeption und Methodik der Forscherwerkstatt
2. Methodischer Rahmen / Unterrichtsgestaltung
3. Bestandsaufnahme 2007


 

1. Konzeption und Methodik der Forscherwerkstatt

Das Konzept

daVincis VitruvianMit der Forscherwerkstatt soll den Schülern und Lehrern der Grundschule Hohengehren eine Umgebung für einen fächerübergreifenden, interdisziplinären und handlungsorientierten Unterricht eingerichtet werden.

Dies beinhaltet die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur in dem von der Schule bereitgestellten Klassenraum und die materielle Ausrüstung der Forscherwerkstatt. Weiterhin die Analyse bestehender methodischer Konzeptionen zur Pädagogik und Didaktik eines Regelunterrichts in der Forscherwerkstatt und deren Adaption auf die Rahmenbedingungen der Grundschule Hohengehren.

Bei der Planung und Umsetzung wurde auf umfangreiche Erfahrungen der For-scherwerkstatt an der Regenbogenschule in Münster/Altheim zurückgegriffen, welche seit 2003 besteht.

„Sage es mir und ich werde es vergessen,
  zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten,
  lass’ es mich selbst tun, und ich werde es begreifen“  (Konfuzius)

In der Forscherwerkstatt sollen die Schüler weitgehend selbstständig - unter Aufsicht des Lehrers - Experimente aus dem naturwissenschaftlichen Sektor durchführen. Zentraler Bestandteil der Forscherwerkstatt sind dabei Experimentierboxen die neben den für das Experiment notwendigen Materialien auch eine visuell unterstützte Schritt - für - Schritt Anleitung zur Durchführung des Experiments beinhalten. Die Forscherwerkstatt wird ergänzt durch einen zusätzlichen Fundus an Anschauungsmaterial, Werkzeugen und Arbeitsmitteln.

Bei der Umsetzung der Forscherwerkstatt wird besonderen Wert auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten von Grundschulen gelegt. Insbesondere die Bestü-ckung der Experimentierboxen und das Verbrauchsmaterial müssen nicht aus teuren Fachgeschäften bezogen werden sondern bestehen zum größten Teil aus im Haushalt gebräuchlichen Artikeln.

Die Konzeption der Forscherwerkstatt ist dabei so angelegt, dass im beschriebenen ersten Schritt ein Mindestumfang realisiert wird, dessen Potenzial sowohl inhaltlich als auch qualitativ erweiterbar ist. Eine inhaltliche Erweiterung schließt ausdrücklich die Anwendung des Konzepts auf weitere Fächer(-verbände) ein.


Die Motivation

Den Kindern wird durch die Forscherwerkstatt ein erster spielerischer Zugang zu wissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen ermöglicht. Sie können dabei schon früh interdisziplinär Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln und festigen, die in der weiteren Schulzeit und auch später von großer Bedeutung sind. Während des Experimentierens lernen die Kinder Kernkompetenzen wie

Beobachten – Protokollieren - Skizzieren - Vergleichen
Aufstellen von Hypothesen  - Ziehen von Schlussfolgerungen
Präsentation von erarbeiteten Inhalten

Der Besuch in der Forscherwerkstatt ermöglicht die Anbahnung von Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Kompromissfähigkeit, Toleranz, Engagement, Kreativität und (fremd-) sprachliche Kompetenz.

Die Vorteile für einen handlungsorientierten Unterricht sind unbestritten und in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten dargestellt. Erste Ansätze sind schon im 18. und 19. Jhdt. bei Johann Heinrich Pestalozzi („Lernen mit Kopf, Herz und Hand“) und Maria Montessori („Hilf mir, es selbst zu tun“) zu finden. Hilbert Meyer sagt hierzu: „Weil es immer wichtiger wird, die Schüler in der Schule auf ein kompetentes und selbstständiges Handeln in zukünftigen beruflichen, gesellschaftlich-politischen und privaten Handlungssituationen vorzubereiten, muss dieses Handeln im Unterricht geübt werden. Es ist nicht einzusehen, warum Schüler plötzlich nach Verlassen der Schule selbstständig sein sollen, wenn sie die ganze Schulzeit lang daran gehindert worden sind.“

Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Mensch ca.

 10% des Gelesenen,
 20% des Gehörten,
 70% des Gesehenen und
 90% des selbst Ausgeführten
behält.
Der neue Bildungsplan trägt dem Rechnung: „Durch die Verbindung schulischen Lernens mit eigenem Handeln wird das Lernen persönlich bedeutsam und damit nachhaltig. [...] Der Unterricht im Fächerverbund zielt auf die forschende Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit ihrer Lebenswirklichkeit. Bewusst wird der Unterricht zunehmend anwendungs- und problemorientiert, explorativ, aktiv entdeckend und kreativ, themen- und projektorientiert gestaltet.“)
 

2. Methodischer Rahmen / Unterrichtsgestaltung

  1. Anfangskreis (ca. 10 min)

    Start des Unterrichts in der Forscherwerkstatt ist der Anfangskreis der zunächst in einem Review des letzten Besuchs sowohl positive und als auch negative Erfahrungen der Schüler sammelt. Dies soll vor allem der qualitativen Kontrolle der Rahmenbedingungen dienen und gegebenenfalls zu Anpassungen des Konzepts bzw. Methodik führen. Im Anschluss folgt eine Wiederholung der Regeln in der Forscherwerkstatt.  Zum Abschluss werden die Experimentiergruppen gebildet und die Experimentierboxen gewählt.

  2. Experimentierphase (ca. 45-60 min)

    Vor dem Experimentieren werden die Experimentierboxen um die Verbrauchsmittel vervollständigt. Die Schülerinnen und Schüler führen dann die Experimente selbstständig - geführt durch in den Boxen bereitgestellten Anleitungen - durch. Dabei sollen die Kinder auch eigene Fragestellungen entwickeln können, die durch umfangreiches Zusatzmaterial im Hintergrund unterstützt werden.

  3. Schlusskreis (ca. 15-25 min)

    Im Schlusskreis präsentieren die Gruppen geführt oder frei ihre Experimente, Beobachtungen und Resultate. Hierfür werden den Kindern entsprechende Schemata bereitgestellt, an denen sie sich orientieren können.

  4. Aufräumen (ca. 10 min)

    Zum Abschluss räumen die Kinder selbstständig die Forscherwerkstatt auf. Die Experimentierboxen werden von den Verbrauchsmitteln gesäubert und in die Regale zurückgestellt.


3. Bestandsaufnahme 2007

In der Grundschule Hohengehren waren teilweise  Arbeitsmittel zur Gestaltung eines handlungsorientierten Unterrichts vorhanden. Auch verfügte jeder einzelne Lehrer über einen Fundus an pädagogisch vorbereiteten Experimenten zur inhaltlichen Gestaltung eines handlungsorientierten Unterrichts, jedoch ohne Einbindung in ein übergeordnetes Konzept. Die bisherigen Ansätze zur Umsetzung eines handlungsorientierten Unterrichts wurden nahezu ausschließlich in den Klassenzimmern durchgeführt, was einen deutlich verminderten Wirkungsgrad zur Folge hatte - resultierend aus dem zeitlichen Aufwand den Klassenraum vor - und nachzubereiten.

Daraus ergab sich eine seltenere, auch stark personenabhängige Umsetzung eines handlungsorientierten Konzepts innerhalb des Regelunterrichts.

Infolge zurückgegangener Schülerzahlen ist nunmehr möglich ein Klassenzimmer zur ausschließlichen Verwendung als Forscherwerkstatt zur Verfügung zu stellen. Dadurch ist es möglich die o.g. Reibungsverluste zu minimieren und den Lehrern die Umsetzung eines handlungsorientierten Unterrichts deutlich zu erleichtern.

Der bauliche Zustand des Klassenzimmers war akzeptabel, jedoch waren einige Renovierungs- und Anpassungsarbeiten angezeigt.

Die vorhandenen Arbeitsmittel wurden in das Konzept der Forscherwerkstatt integriert, sowohl als Bestandteil in den Experimentierboxen als auch zur Integration in noch zu entwickelnde Experimentierboxen.